• Isabel Betts

Ein Huhn geklaut? Wie bitte?


Dieser Tage erreichte uns die Nachricht über eine sehr traurige Begebenheit in Uganda.

Aus Hunger und Verzweiflung hatte ein Jugendlicher ein Huhn gestohlen und wurde dafür von aufgebrachten Nachbarn zu Tode geprügelt.


Praise erschütterte diese Geschichte sehr, denn sie kennt den Schmerz von Hunger aus ihrer Kindheit. Sie erinnerte dieser Vorfall an eine Begebenheit, die – Gott sei Dank – eine andere Wendung nahm.

Nicht, dass Praise ein Huhn gestohlen hätte, sie war damals ein kleines Mädchen, aber … ... was für eine Wahl bleibt einem Bruder, wenn die kleine Schwester wie ein Schlosshund heult, und um ein gebratenes Hühnchen bettelt?


Verlockende Düfte von köstlichem Hühnchen, das überall auf Holzkohlefeuern gekocht wurde, ließen ihr schonungslos das Wasser im Mund zusammenlaufen.


Immerhin war es


Weihnachten!


Und Praise wollte UNBEDINGT auch diese ganz besondere und äußerst seltene kulinarische Köstlichkeit genießen!


Außerdem würde sie am nächsten Tag 6 Jahre alt werden.


Aber das interessierte um sie herum niemanden.


Geburtstage zu feiern, ist nicht so wichtig in Uganda…


Was dann?


Überleben?


Ja, schon eher! Allerdings wird Weihnachten GROSS gefeiert in Uganda!


Also hier war Praise, das jüngste von sieben Kindern und das einzige Mädchen in ihrer Geschwisterschar. Wie um alles in der Welt würden ihre Brüder sicherstellen, dass ihr kleines Herz an diesem für sie so wichtigen Tag, Weihnachten, nicht gebrochen würde?


Es gab kein Huhn, das EINE besondere Essen, das in Uganda ein MUSS für Weihnachten war.


Doch nicht nur das.

Es gab überhaupt nichts zu Essen!

Während die Kinder den größten Teil ihrer Kindheit bei ihrer Großmutter verbrachten, gab es bestimmte Zeiten, in denen sie wussten, dass sie bei ihr nicht willkommen waren.


Es war die Zeit, in der die Stieftante zu Besuch kam.


Weihnachten war eine dieser Zeiten.


Die Tante war immerhin diejenige, die das Zuhause der Großmutter finanziert hatte (Foto siehe letzter Blog-Beitrag), und sie verbrachte den Festtag stets mit ihrer Mutter.

Leider mochte sie Praise und ihre Brüder überhaupt nicht. Und sie wussten es.


Also machten sie sich auf den Weg in das winzige gemietete Zimmer ihrer Mutter, wo dann diese Gegebenheit stattfand.


Ihre tapfere Mutter hatte sich mit ein paar anderen Leuten zusammengetan, um einen Lastwagen zu mieten, der sie tief ins Landesinnere bringen sollte. Der Plan war, den LKW mit Bananenstauden zu füllen, die dann zu Weihnachten in der Hauptstadt Kampala verkauft werden sollten.


Sie wollte mit dem Gewinn ihren Kindern einen tollen Weihnachtsschmaus gönnen.


Leider lief es nicht wie geplant. Der Lastwagen hatte eine Panne und konnte nicht repariert werden.


Das war bevor es Handys gab. Ihre Mutter hatte leider keine Möglichkeit, die Kinder zu kontaktieren, um sie zu informieren.


Stell dir die Verzweiflung der Brüder vor:


Sie mussten sich nicht nur mit ihrer heulenden Schwester auseinandersetzen, die sie nicht enttäuschen wollten, sondern sie waren auch davon überzeugt, dass ihre Mutter gestorben sein musste. Warum? Weil sie vor Tagen zurückgekommen sein sollte und sie nichts von ihr gehört hatten.


Da sie den Tod bereits so oft in ihrem kurzen Leben hautnah erfahren mussten, war dies eine ziemlich realistische Schlußfolgerung.

Die Brüder waren überzeugt, dass ihre Mutter gestorben war. Es war Weihnachten. Und es gab kein Essen. Kein Hühnchen. Nur eine untröstliche kleine Schwester.


Ihre Hauptsorge war übrigens nicht so sehr, dass ihre Mutter gestorben war.

Sie wollte nur Hühnchen essen.

Und sie wollte es HEUTE!

Rate mal, was dann passiert ist?


Auf einmal kam ganz überraschend


ein Huhn in ihr Zimmer geflattert!

Ja sag´ mal, dachte einer der Brüder. Wenn das nicht die Lösung für unser Dilemma ist! Kurzerhand war das Huhn geschlachtet und in das heiß ersehnte Weihnachtsessen verwandelt! HURRAHHHH!!!

Praise war überglücklich!

Aber ihre Freude hielt nicht lange an. Die Besitzerin des Huhns stellte fest, dass eines ihrer Hühner entkommen war und es nicht lebend zurück geschafft hatte.

Au weia …. Jetzt gab's Ärger!

In Kürze befanden sich die Diebe bei der Polizei.

Weihnachten sah immer grimmiger aus. ABER - und bist du nicht froh, dass es einen ABER gab? Anstatt die Kinder für ihren Diebstahl zu bestrafen, tadelte der Polizist die Nachbarin, dass sie so herzlos mit den Kindern umgegangen war.


Sie musste sich anhören, dass sie den Kindern das Huhn hätte gönnen sollen, als sie gesehen hatte, dass diese ohne Essen waren. Nicht nur das. Sie wurde sogar aufgefordert, nach Hause zu gehen und ihnen noch andere Lebensmittel zu geben, um ihr Weihnachtsessen zu vervollständigen. Ende gut, alles gut.

Weihnachten war gerettet!

Eine leckere Mahlzeit erwärmte die Kindermagen - und ihre Seelen. Praise grinste von Ohr zu Ohr.

Und ihre Mutter kam eine Woche später wieder zurück nach Hause.

Ursprünglich geschrieben am 6. Mai 2020 in meinem Blog.


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